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Was ist Ciclosporin?

Ciclosporin wurde 1976 aus dem Schimmelpilz Tolypocladium inflatum isoliert und markiert einen Wendepunkt in der Transplantationsmedizin durch seine potente Immunsuppression. Als Calcineurin-Inhibitor reduziert es die Transkription von Interleukin-2 und hemmt damit die Aktivierung von T-Lymphozyten, womit Gewebeabstoßungen signifikant verhindert werden.

Nach oraler Gabe zeigt Ciclosporin eine dosisabhängige Bioverfügbarkeit mit intraindividueller Variabilität; es wird vorwiegend über das Cytochrom-P450-System, insbesondere CYP3A4, metabolisiert. Die Eliminationswege erfolgen primär über die Gallenwege, wodurch Leber-Hepatozyten-Status und gleichzeitige Lebererkrankungen klinisch relevant sind. Aufgrund des engen Therapeutikums muss der Spiegel des Wirkstoffs regelmäßig kontrolliert werden.

Formen der Verabreichung umfassen Kapseln, eine lösliche Flüssigform zum Trinken sowie eine intravenöse Lösung für die akute Behandlung. Die Behandlung erfordert eine abgestufte Dosierung, Begleitmedikation und engmaschige Überwachung von Nieren- und Leberparametern, Blutbild sowie möglicher Neoplasienrisiken, um Wirksamkeit und Sicherheit zu optimieren.

Wofür wird es verwendet?

Die primäre Indikation besteht in der Prophylaxe der Abstoßung nach Nieren-, Leber- oder Herztransplantationen. In der unmittelbaren Posttransplantationsphase erfolgt die Therapie meist in Kombination mit anderen Immunsuppressiva, um eine ausreichend starke, aber kontrollierbare Immunsuppression zu erreichen.

Zusätzlich findet Ciclosporin Anwendung bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wie schweren Psoriasisformen, rheumatoider Arthritis, Uveitis und entzündlichen Darmerkrankungen, insbesondere dann, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken oder Verträglichkeit eingeschränkt ist. Die Indikationsstellung erfolgt stets individuell unter Berücksichtigung klinischer Parameter und Laborkontrollen.

Die Behandlung erfordert eine reflektierte Therapieführung: Dosierung wird regelmäßig an Laborwerte angepasst, Spiegelmessungen erfolgen zeitnah nach Dosierungsänderungen. Begleittherapien (z. B. Kortikosteroide oder weitere Immunsuppressiva) beeinflussen die Gesamtdauer und Intensität der Immunsuppression.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Absolute Gegenanzeigen umfassen bekannte Überempfindlichkeit gegen Ciclosporin oder Hilfsstoffe sowie aktive schwere Infektionen oder eine fortgeschrittene, nicht kontrollierbare Leber- oder Nierenerkrankung, die eine Immunsuppression kontraindiziert. Ebenso sind konzentrierte Malignomprozesse eine Abwägung bedürftig, da Immunsuppression das Tumorrisiko erhöhen kann.

Zu den relativen Vorsichtsmaßnahmen gehören Schwangerschaft und Stillzeit, da Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Vor Therapiebeginn sind Nieren- und Leberfunktion, Blutbild, Elektrolyte, Blutdruck sowie klinische Begleiterkrankungen zu erfassen und kontinuierlich zu überwachen.

Ciclosporin erhöht Infektionen und das Risiko maligner Erkrankungen infolge der Immunsuppression. Live-Impfschutz wird in der Regel vermieden oder nur in Ausnahmefällen und unter besonderer ärztlicher Begleitung eingesetzt. Die Therapie erfordert eine enge Abstimmung mit anderen nephro- bzw. hepato-toxischen Arzneimitteln sowie regelmäßige Otherwise-Monitoring (Nierenfunktion, Leberwerte, Blutbild, Elektrolyte).

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Sehr häufig: Hypertonie, Nierentoxizität mit Anstieg der Kreatininwerte, Tremor, Kopfschmerzen, Hirsutismus, Gingivahyperplasie sowie häufige gastrointestinale Beschwerden wie Dyspepsie oder Übelkeit.

Häufig: Hyperlipidämie, Müdigkeit, Kopfschmerzen verschiedener Intensität, Ödeme, Leberwertveränderungen und Infekte der oberen Atemwege. Gleichzeitige medikamentöse Therapien können die Häufigkeit einzelner Effekte modulieren.

Gelegentlich bis selten: Hepatotoxizität mit variablen Leberenzymen, Neutropenie oder Anämie, Sehstörungen, periphere Neuropathie, Muskelkrämpfe, Hautausschläge und selten schwere kutane Reaktionen. Sehr selten treten schwere Infektionen oder Ileo- bzw. Kolonveränderungen auf; lebensbedrohliche Ereignisse sind selten, erfordern jedoch sofortige ärztliche Intervention.

Wechselwirkungen mit anderen Substanzen

Wesentliche Wechselwirkungen betreffen die Wirkung von Ciclosporin als Substrat und Modulator des CYP3A4-Enzyms. CYP3A4-Hemmer wie Azol-Fungizide (z. B. Fluconazol, Itraconazol, Ketoconazol) oder Makrolide erhöhen Plasmaspiegel und Toxizität; Dosierungsanpassungen oder alternativer Therapieweg sind erforderlich. Gleiches gilt fürProteasehemmer und andere starke Hemmer.

CYP3A4-Induktoren wie Rifampicin, Carbamazepin oder Phenytoin senken Circosporinspiegel und können Wirksamkeitsverlust bewirken; hier sind oft Dosisanpassungen oder Therapiewechsel nötig. Grapefruitsaft kann CYP3A4-Hemmung am Verdauungstrakt verstärken, was die Bioverfügbarkeit erhöht; daher ist der Konsum während der Behandlung zu vermeiden.

Zusätzliche Interaktionen betreffen nephrotoxische Agentien (z. B. NSAIDs, Aminoglykoside), die das Risiko einer Nierenschädigung erhöhen; gleichzeitige Statin-Therapie erfordert Überwachung auf Myopathien oder Rhabdomyolyse. Cholestyramin kann die Resorption reduzieren, Immunstimulanzien erhöhen das Infektionsrisiko. Impfungen mit Lebendstoffen sollten während der Immunsuppression vermieden oder nur unter strenger ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

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Reto Baumann
Medizinisch überprüft von
Reto Baumann
Eidg. dipl. Apotheker, Fachapotheker FPH in Offizinpharmazie