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Wie wirkt Terbinafin bei einer Nagel- oder Hautpilzinfektion, und wann sollte ich es verwenden?

Terbinafin ist ein systemisch oder lokal anwendbarer Antimykotikum-Substanz, das der Gruppe der Allylamine angehört. Der Wirkstoff hemmt gezielt das Enzym Squalenepoxidase in Pilzzellen, wodurch sich Squalen ansammelt und die Ergosterolsynthese unterbrochen wird. Dies destabilisiert die Pilzmembran und hemmt das Wachstum der Erreger, primär Dermatophyten wie Trichophyton-Arten. Klinisch entfaltet Terbinafin fungizide Aktivität gegenüber vielen Nagel- und Hautpilzen und wird daher häufig bei Onychomykosen, Tinea-Infektionen der Haut sowie bei bestimmten kutanen Pilzinfektionen eingesetzt.

Die gängige Darreichungsform ist die orale Therapie in 250‑mg-Tabletten oder topische Zubereitungen in Form von Cremes oder Lösungen. Die Wahl der Verabreichungsform und die Behandlungsdauer richten sich nach Ort und Schwere der Infektion, sowie nach Begleiterkrankungen des Patienten. Die Wirkdauer reicht je nach Befund von einigen Wochen bis mehreren Monaten; eine vollständige Abheilung kann länger dauern als die symptomatische Besserung. Eine erfolgreiche Therapie erfordert die Einhaltung der vorgegebenen Dosierung und Behandlungsdauer, auch wenn Beschwerden vorzeitig abklingen sollten.

Wofür Terbinafin verwendet wird

Terbinafin dient der Behandlung distaler und transseparatorischer Onychomykosen der Finger- oder Zehennägel, in der Regel systemisch. Darüber hinaus wird es zur Behandlung dermatophytischer Infektionen der Haut eingesetzt, darunter Tinea corporis (Ringelflechte), Tinea cruris (Leistenpilz) und Tinea pedis (Fußpilz). In bestimmten Fällen kann Terbinafin auch gegen mikroskopisch andere Pilzarten eingesetzt werden, deren Empfindlichkeit zu Terbinafin bekannt ist. Die Wirksamkeit hängt von der Empfindlichkeit des Erregers und der korrekten Anwendung ab.

Behandlungsschemata variieren je nach Infektionsort: Nagelerkrankungen benötigen in der Regel längere Therapien (oft mehrere Wochen bis Monate), während Hautinfektionen tendenziell kürzere Behandlungszeiträume erlauben. Die orale Form ist besonders bei Nagelinfektionen bevorzugt, während topische Präparate für oberflächliche Hautinfektionen häufig ausreichend sein können. Bei therapienahem Auftreten von Nebenwirkungen oder unklaren Heilungsverläufen sollte eine ärztliche Reevaluation erfolgen.

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Gegenanzeigen: Terbinafin darf nicht bei Überempfindlichkeit gegenüber Terbinafin oder Hilfsstoffen angewendet werden. Eine bestehende schwere Lebererkrankung oder aktive Leberfunktionsstörungen gelten als Kontraindikation für eine Behandlung. Auch bei schweren Erkrankungen, die die Leberfunktion beeinträchtigen, ist eine Einnahme nur nach sorgfältiger Abwägung möglich.

Vorsichtsmaßnahmen: Vor Therapiebeginn sollten Leberfunktionswerte bekannt sein; regelmäßige Kontrollen der Leberwerte (z. B. ALT, AST) sind während einer längeren oder hohen Terbinafin-Therapie ratsam, insbesondere bei Vorliegen bekannter Lebererkrankungen oder wiederholter abnormaler Leberwerte. Alkoholische Lebererkrankungen erhöhen das Risiko einer Leberinsuffizienz während der Behandlung. Bei Leberinsuffizienz oder anderen schwerwiegenden Systemerkrankungen ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.

Schwangerschaft und Stillzeit: Terbinafin sollte während der Schwangerschaft nur verwendet werden, wenn der potenzielle Nutzen das Fetale Risiko überwiegt. Stillende Frauen sollten Terbinafin vermeiden oder das Stillen nach ärztlicher Absprache zeitweise beenden, da der Wirkstoff in die Muttermilch übergehen kann. Pediatric-Anwendungen erfolgen nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und gemäß alters- bzw. indikationsspezifischen Vorgaben.

Pädiatrische Anwendung und weitere Hinweise: Bei Kindern und Jugendlichen erfolgt die Verordnung gemäß alters- und indikationsspezifischen Kennzeichnungen; Dosisanpassungen erfolgen nach Gewicht bzw. klinischem Befund. Gleichzeitige Einnahme anderer Leber- oder Hepatotoxizitäten riskierender Substanzen erfordert engmaschige Beobachtung. Bei bekannten Porphyrien ist eine Anwendung selten bis kontraindiziert; der behandelnde Arzt entscheidet im Einzelfall.

Seiteneffekte nach Häufigkeit

Sehr häufig (>1 von 10 Behandelten): Gastrointestinale Beschwerden wie Dyspepsie, Übelkeit oder abdominale Beschwerden; Kopfschmerzen; Geschmackssinnveränderungen (angebotsbedingt oft vorübergehend).

Häufig (1–10%): Hautreaktionen wie Hautausschlag oder Juckreiz; erhöhte Leberwerte (transitorisch) in der Labordiagnostik; Müdigkeit oder Schwindel; GI-Beschwerden tiefergehend—Dyspepsie oder Übelkeit kann persistieren.

Gelegentlich (0,1–1%): Leberfunktionsstörungen mit potenzieller Hepatotoxizität, die in seltenen Fällen zu Gelbsucht oder klinisch signifikanten Leberproblemen führen können; Arthralgien oder Muskelschmerzen; Hautreaktionen bis hin zu schweren Hautausschlägen in Ausnahmefällen.

Selten (0,01–0,1%): Schwerwiegende Leberreaktionen wie Hepatitis oder Leberversagen, schwere kutane Reaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme oder andere schwere Hautreaktionen; Überempfindlichkeitszeichen wie Anaphylaxie sind extrem selten.

Sehr selten (<0,01%): Kritische Blutbildabfall-Szenarien wie Agranulozytose oder andere schwere kutane oder systemische Reaktionen; fortlaufende Beurteilung ist bei Verdacht auf schwere Nebenwirkungen notwendig.

Wechselwirkungen mit anderen Substanzen

Terbinafin hemmt das Enzym CYP2D6, was zu erhöhten Plasmaspiegeln von Substraten dieses Enzyms führen kann. Dazu gehören unter anderem Metoprolol, Desipramin, sowie bestimmte trizyklische Antidepressiva oder selektive Serotonin-Wremst Remittants. Klinische Folgen sind eine verstärkte Nebenwirkungswahrscheinlichkeit wie Bradykardie, Sedierung oderQT-Verlängerung bei entsprechend empfänglichen Medikamenten; daher ist eine enge medikamentöse Überwachung angezeigt, insbesondere bei bestehenden kardialen Erkrankungen oder bekannten QT-Verlängerungen.

Gleichzeitig können Induktoren oder stark hemmende Arzneimittel das Terbinafin-Spiegelprofil beeinflussen. So könnten Rifampicin, Phenytoin oder Carbamazepin die Terbinafin-Spiegel senken und den therapeutischen Erfolg mindern; umgekehrt erhöhen bestimmte CYP2D6-Hemmstoffe die Wirkung anderer Terbinafin-Substrate. Eine sorgfältige Prüfung der gesamten Medikation ist vor Beginn der Therapie sinnvoll.

Weitere relevante Interaktionen betreffen Leberfunktionswerte: Alkohol oder andere hepatotoxische Substanzen erhöhen das Risiko einer Leberbeteiligung. Falls gleichzeitig Gerinnungshemmer wie Warfarin gegeben werden, ist eine engmaschige Monitoring-Strategie (INR) sinnvoll, da auch seltene Interaktionen auftreten können. Generell gilt: Bei gleichzeitiger Einnahme anderer Arzneimittel, die Leber, Blutbild oder Elektrolyt-Homöostase beeinflussen können, ist eine individuelle Abwägung durch den behandelnden Arzt erforderlich.

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Reto Baumann
Medizinisch überprüft von
Reto Baumann
Eidg. dipl. Apotheker, Fachapotheker FPH in Offizinpharmazie